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TV-Trash : the TV-show I love to hate Ulrike Bergermann

TV-Trash : the TV-show I love to hate

Ulrike Bergermann

Published 2000
ISBN : 9783894723293
Paperback
147 pages
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 About the Book 

Kennen Sie Michael Thürmann, den Moderator von Bingo!-Die Umweltlotterie auf N3? Das ist der, der jedem Anrufer in der Inkubationszeit eines Wimpernschlags den passenden Autobahnzubringer und jedes noch so dürftige Rinnsal zuordnen kann. In ersterMore Kennen Sie Michael Thürmann, den Moderator von Bingo!-Die Umweltlotterie auf N3? Das ist der, der jedem Anrufer in der Inkubationszeit eines Wimpernschlags den passenden Autobahnzubringer und jedes noch so dürftige Rinnsal zuordnen kann. In erster Linie ist er natürlich ein Routensucher des Glücks in der märchenhaften Bingo-Welt, in der alles irgendwie mit Glück anfängt: Da gibt es Glückszahlen, das Glücksrad, den Glücksschrank, Glücksturm und Glückskäfer, glückliche Gewinner und nicht weniger glückliche Verlierer, weil sie das Glück hatten, überhaupt durchgekommen zu sein. Das allgemeine Glück komplett macht aber erst Michael Thürmann, unser dicker Glücksgott von N3. Ein Glücksfall für das deutsche Fernsehen oder einfach nur trashiger Wiedergänger dessen Geschichte? Joan Kristin Bleicher attestiert dem Trash-Fernsehen in ihrer kulturtheoretischen Untersuchung von Bingo! im Rahmen der Tagungsdokumentation TV-Trash. The TV-Show I Love to Hate die Eigenschaft, Reste der Programmgeschichte wiederaufzubereiten und in neuen Kombinationen zusammenzufügen. Ein Gedanke, der auch in Lorenz Engells Artikel Über den Abfall auftaucht: Das Fernsehen sei koprophag, kotessend, geworden, es verzehre und verwerte systematisch seinen eigenen Abfall. So erscheint das Bingo!-Universum des Glücks und der Harmonie mit seinen funktionierenden Sozialgemeinschaften und seiner regionalen Identitätsbindung sowie seiner Funktionsteilung Spielleiter/Assistentin und der Vielzahl direkter Appelle und Handlungsanweisungen ans Publikum -- Sie sind aus Wolfsburg. Applaus für Wolfsburg -- nicht nur als Recycling konservativer Ideologieversatzstücke der 60er-Jahre, sondern auch als eines deren Unterhaltungskonzepte.Den Texten des vorliegenden TV-Trash-Samplers gelingt es fast durchweg, dem alltäglichen stupiden Fernsehkonsum einen neuen Fokus zu geben. Oder wer hat allen Ernstes die nächtliche 0190-Telefonsex-Werbung schon als Vorboten eines Medientransfers gesehen -- weg von Stereotypen der Pornografie und ihrer Unterscheidung von Akteur und Voyeur, hin zu prostitutionsähnlichen Formen direkter Interaktion? Das eine oder andere Symptom fortschreitender akademischer Meningitis nimmt man da gerne in Kauf.Wer will, kann natürlich auch weiterhin das machen, was er jeden Sonntagnachmittag macht, nämlich zurückwinken, wenn unser Sex-, pardon, Glücksgott Michael Thürmann sagt: Jetzt winken wir mal nach Hause. Hallo Wendland. Jetzt kommt einer von euch und holt sich vielleicht gleich Bargeld ab. --Mark Stöhr